Second Life

Second Life ® – Zweites Leben

Ist die Kriminalschriftstellerin Ingrid Schmitz jetzt durchgeknallt? Hat Sie durch das Krimischreiben den Bezug zur Realität verloren? Unser Redakteur Wolfgang von Anstatt ging der Frage nach.

wva: Frau Schmitz, wie Sie selbst vor einigen Tagen in der Presse bekanntgaben, treten Sie auch in Second Life, in einem 3 D-Chat als Schriftstellerin auf. Wie kam es dazu und muss man sich Sorgen um Sie machen?

KS: Nein, müssen Sie nicht. Ich weiß noch sehr wohl, was ich tue und wieviel Zeit ich dafür opfern kann. Ich bin seit Dezember 2006 in Second Life und von einem Autorenkollegen darauf aufmerksam gemacht worden. Nur mal so zum Spaß habe ich mir das Programm unter www.secondlife.com kostenlos heruntergeladen und sah mich nach kurzer Zeit als weibliches Püppchen, auch Avatar genannt, unsanft auf dem Fußboden landen, direkt meinem Kollegen vor die Füße. Tja, damit begann alles. Er führte mich durch die virtuelle Welt und zeigte mir aus dem realen Leben nachgebaute Länder, Städte, Orte, Lokalitäten, bei denen ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Ich lernte, dass nicht nur ich, sondern auch fünf Millionen andere User -weltweit- sich in dieser zweiten Welt bewegten und alles, was ich sah, selbst erschaffen hatten. Das hatte eine ganz besondere Faszination. Es handelte sich nicht nur ein Computerspiel, in dem man bestimmte Aufgaben erfüllen musste und sich per Chat unterhielt, nein, es war Virtual Realitiy.

wva: Ist es für Sie reiner Zeitvertreib? Nutzen Sie Second Life als Entspannung, um mal so richtig abzuschalten?

KS: Ja, so war es anfangs. Da habe ich mich nur um das Aussehen meiner Avatarin gekümmert, habe sehr viel daran verändert. Kleidung, Haare, Schuhe, Figur. Mit ein paar Klicks ging es sehr schnell. Danach trieb ich mich überall herum, wollte so viel wie möglich von Second Life sehen. Ich habe Länder bereist und bin an die schönsten virtuellen Strände gekommen. Zugegeben, ich landete auch in Nachtclubs und Discos, wäre fast einmal ins „käufliche Gewerbe“ abgerutscht. Danach lernte ich einen Journalisten kennen, der in Second Life eine Zeitung gegründet hatte und so betätigte ich mich lieber als Redakteurin. Im SL-Biergarten lernte ich dann einen Autor vom Sintakt-Verlag kennen, der ein Krimi-Hörbuch herausbringen sollte, aber nur Prosa schrieb. Es entstand mein Hörbuch: „Wenn Frauen morden„. Manchmal gibt es eben seltsame Zufälle, oder man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So erscheint im August mein zweites Hörbuch mit drei Kurzkrimis von mir, die in Second Life spielen.

wva: Sie verbinden also Second Life und Real Life auch kriminalschriftstellerisch?

KS: Genau. Mittlerweile habe ich mehrere Shops in Second Life, in denen ich Werbung für meine realen Bücher mache, aber ich gebe auch Lesungen und biete virtuelle Bücher mit Second Life stories an.

wva: Sie lesen Ihre stories in Second Life vor? Wie geht das?

KS: Es funktioniert über dieses sogenannte Streaming. Das ist ein Musikkanal, den alle über ihren Lautsprecher hören können. Fragen Sie mich bitte nicht nach den technischen Details. Ich weiß nur, dass ich zu Hause (RL) mit einem Computerprogramm MP3-Dateien über Headset besprochen habe und diese dann am jeweiligen Veranstaltungsort abgespielt werden. Ist schon witzig, meine Avatarin Sameja Lomba mit einem Buch in der Hand auf der Bühne sitzen zu sehen und über die Lautsprecher meine Stimme zu hören. Die Lesungen sind meistens in einer virtuellen Bar, auf dem Marktplatz, oder in einem Atrium und das Publikum setzt sich brav auf die bereitstehenden Sessel oder Bänke und applaudiert gegen Ende fleißig. Wie im richtigen Leben. Am Montag, den 15.07. werde ich zum ersten Mal live lesen. Anlässlich meiner Buchpremiere zu Mordsdeal. Schon jetzt hat die Ankündigung einen riesigen Pressewirbel ausgelöst.

wva: Hm, da hätte ich jetzt noch tausend Fragen, aber am besten ist, ich sehe mich vorher einmal dort um. Zunächst einmal vielen Dank für das Gespräch und auf Wiedersehen, im Real Life oder im Second Life.

KS: Ich danke auch für das Interview. Besuchen Sie Sameja Lomba doch mal in ihrer Literaturburg auf Event-Island. Sie hat immer einen heißen Kaffee im Inventar.